PM: Lautstarker Protest gegen Antisemitismus

Mit einer Kundgebung protestierten am Samstag abend 60 Menschen gegen den Auftritt des US-amerikanischen Autors Norman Finkelstein im Berliner Maritim Hotel.
In der Stauffenbergstraße, direkt vor dem Eingang des Maritim-Hotels, versammelten sich am Samstag mehrere Dutzend Antifaschist_innen, um gegen Antisemitismus und NS-Verharmlosung zu protestieren. Auf Einladung der „Palästinensischen Ärzte- und Apothekervereinigung“ (PÄAV) sollte Norman Finkelstein einen Vortrag über den Nahostkonflikt halten. /blockquote>

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Letzter Informationsstand zum morgigen Finkelstein-Auftritt

Maritim stellt sich stur…

Die Geschäftsführung des Maritim hat trotz einer Vielzahl dort eingegangener Protestnoten nicht vor, die Veranstaltung mit Norman Finkelstein am kommenden Samstag abzusagen. Seitens der Hoteldirektorin wurde dies damit begründet, dass das Hotel Maritim „ein Wirtschaftsunternehmen“ sei, welches an Verträge gebunden ist. So lange der Verfassungsschutz die palästinensische Ärzte- und Apothekervereinigung Deutschland e. V. (PÄAV e. V.) nicht beobachte, seien sie nicht bereit, die Veranstaltung abzusagen. Es ist bezeichnend, dass ein renommiertes deutsches Hotel unter dem Vorwand sich nicht politisch positionieren zu wollen, in den eigenen Räumen eine Veranstaltung zulässt, auf der antisemitische und NS-relativierende Positionen zu erwarten sind.

Forderungen unsere Kundgebung zu stören …

Mittlerweile wird im Internet von verschiedener Seite dazu aufgerufen sich unserer Kundgebung entgegen zu stellen. So wird der Protest gegen den jüdischen Holocaust-Relativierer und Antizionisten Norman Finkelstein als „Provokation“ von „Rechtsextremisten“ diffamiert und so als vogelfrei erklärt. Alle „Sozialisten, Demokraten , Antifaschisten sind aufgerufen, sich dem zionistischen Mob in den Weg zu stellen“ heisst es weiter in dem Text, der von der PÄAV e. V. unterzeichnet ist. An anderer Stelle werden im anti-imperialistischen Duktus die Aufrufenden LAK Shalom Berlin und Brandenburg als „NeoCon-Organisationen mit der Funktion, die Partei Die Linke auf pro-imperialistischen Kurs zu bringen“ bezeichnet.

Es bleibt dabei kommt zahlreich am Samstag um 18:00 zum Hotel Maritim in der Stauffenbergstr. 26.

Gegen Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus.
Solidarität mit Israel!

Artikel in der heutigen „Jungle World“

Ein neues Asyl für Finkelstein

Am »internationalen Solidaritätstag mit dem palästinensischen Volk« soll Norman Finkelstein einen Vortrag in Berlin halten. Antifaschistische Gruppen wollen gegen den Auftritt und die zu erwartenden geschichtsrevisionistischen und antizionistischen Ausführungen protestieren.
Von Stefan Kunath

Besondere Anlässe erfordern besondere Gäste. Zum »internationalen Solidaritätstag mit dem palästinensischen Volk« am Samstag dieser Woche hat die »Palästinensische Ärzte- und Apothekervereinigung« (PÄAV) sogar einen Ehrengast eingeladen: Norman Finkelstein. Im Maritim-Hotel, wo die PÄAV den Tag mit einer Veranstaltung begeht, soll der »US-amerikanische Politikwissenschaftler und Autor«, wie er in der Ankündigung genannt wird, einen Vortrag halten.
Finkelsteins angekündigter Beitrag trägt einen harmlosen Titel: »Israel und Palästina in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft«. Dabei ist der Urheber des Buchs »Die Holocaust-Industrie« eigentlich eher für markige Aussagen bekannt. Seine zentrale These lautet: Israel und dem jüdischen Staat nahestehende Organisationen nutzen den Holocaust propagandistisch, um politisch und finanziell zu profitieren. Die »Holocaust-Industrie« wurde Finkelstein zufolge nach Israels Sieg im Sechs-Tage-Krieg 1967 aufgebaut, um Israels Bündnis mit den USA zu stärken.

Finkelsteins Angriff auf das Auschwitz-Gedenken wird von seinen rechten und linken Sympathisanten gern mit der Meinungs-, Rede- oder gar Wissenschaftsfreiheit verteidigt. Sie wissen, was sie an Finkelstein haben: Seine Ausführungen dienen der Delegitimation Israels. Die Beschreibung Israels als ein skrupellos den Holocaust instrumentalisierender Staat kommt der Propaganda der NPD und der iranischen Mullahs gelegen, die die Judenvernichtung leugnen oder ihr die historisch einzigartige Dimension absprechen, passt aber auch gut ins antiimperialistische Weltbild vieler Linker.
Auch in seinem Buch »Eine Nation auf dem Prüfstand. Goldhagens These und die historische Wahrheit« legt der Politikwissenschaftler ähnliche Gedanken dar: Er schreibt von »Holocaust-Ideologen«, die mit »Holocaust-Literatur« die wahren »Ergebnisse der Holocaust-Wissenschaft« ignorierten. Daniel Goldhagens Buch »Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust« bezeichnet Finkelstein sogar als »Holoporn«, der den Juden zum einen die vollkommene Schuldlosigkeit und zum anderen die Lizenz zum Töten von Palästinensern attestieren würde. Die Deutschen waren nach Finkelsteins Ansicht hingegen gar nicht so antisemitisch. Es hätte nur »episodische Gewaltausbrüche gegen Juden« und hierbei keine wirklich »bösartigen antisemitischen Ausbrüche« gegeben. Die Mehrheit der Deutschen hätte nach 1933 den antisemitischen Terror verurteilt, schreibt der Politologe. Finkelsteins Aussage im libanesischen Fernsehen im Januar 2008 verwundert da nicht weiter: »Wer will Krieg? Wer will Zerstörung? Nicht einmal Hitler wollte den Krieg.«
Seine geschichtsrevisionistischen Ansichten trieben Finkelstein auch schon in jüngeren Jahren auf die Straße. So demonstrierte er 1982 mit einem Transparent mit der Aufschrift »Israeli Nazis – Stop the Holocaust in Lebanon!« vor dem israelischen Konsulat in New York. Die Hizbollah steht für ihn in der Tradition des antifaschistischen Widerstands, wie er ebenfalls 2008 im Gespräch mit Future TV darlegte. Es überrascht angesichts von Finkelsteins Veröffentlichungen und Äußerungen nicht, dass der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad den US-Amerikaner 2006 zur Holocaust-Konferenz nach Teheran einlud. Doch Finkelstein kam nicht; im ursprünglichen Tagungsprogramm der Konferenz-Organisatoren war er noch angekündigt.

Finkelstein soll nicht zum ersten Mal einen Vortrag in Deutschland halten. Im Februar hatte ihn unter anderem die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft »Frieden und internationale Politik« der Linkspartei eingeladen. Nachdem jedoch der Bundesarbeitskreis Shalom der Linksjugend gegen die Veranstaltung protestiert und die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) ihre finanzielle und logistische Unterstützung zurückgezogen hatte, sagte Finkelstein seinen Besuch ab, obwohl ihm die Ladengalerie der Jungen Welt »politisches Asyl« anbot.
Finkelsteins Absage sorgte für Entrüstung. So forderte Sahra Wagenknecht, mittlerweile stellvertretende Parteivorsitzende der »Linken«, die RLS auf, eine »plurale Debatte« nicht zu verhindern und diese »unabhängig von der Bewertung der inhaltlichen Positionen Norman Finkelsteins« zu führen. Die Aussagen des Politologen muss man jedoch als das bewerten, was sie sind: als generelle Angriffe auf das Holocaust-Gedenken und auf Israel. Deshalb hat ein Bündnis antifaschistischer Gruppen und der Landesarbeitskreise Shalom der Linksjugend aus Berlin und Brandenburg auch dieses Mal Protest gegen Finkelstein angekündigt. Eine Kundgebung vor dem Maritim-Hotel soll sich »gegen Antizionismus und Geschichtsrevisionismus« und »Finkelsteins Propaganda« richten.

[Jungle World]

Pressemitteilung zu Samstag

Berlin: Holocaust-Relativierer soll in Hotel Maritim auftreten. Proteste geplant.

Sehr geehrte Pressevertreterinnen und Pressevertreter,

am Samstag, dem 27.11.2010 plant die „palästinensische Ärzte- und Apothekervereinigung Deutschland e. V. (PÄAV e. V.)“ eine abendliche Veranstaltung mit dem US-amerikanischen Autor Norman Finkelstein als Referenten im Berliner Maritim-Hotel. Herr Finkelstein ist in den letzten Jahren immer wieder durch die Propagierung holocaustrelativierender Thesen in Erscheinung getreten. Diese zielen im Kern auf die Delegitimierung sowie Dämonisierung des Staates Israel und seiner Politik ab. Gegen das Vorhaben sind Proteste angekündigt.

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Weitere Ankündigungen:
// ASF
// OpenPR
// Haolam

Kundgebung angemeldet

Für den Fall, dass das Maritim Hotel der Veranstaltung mit Norman Finkelstein nicht die Räume entzieht, wird es am 27. November eine Kundgebung vor dem Hotel geben:

27. November / 18:00 Uhr
Maritim Hotel (Stauffenbergstraße 26)

Wir bitten euch, das – sowie den offenen Brief – zu verbreiten und an dem Tag zahlreich zu erscheinen.

Kopierflyer:

Hallo

Das ist der Blog des Bündnisses gegen den Auftritt Norman Finkelsteins am 27. November 2010 im Maritim Hotel in Berlin.
Hier werden in den nächsten Tagen der Aufruf, ein Offener Brief sowie weitere Informationen zum Thema zu finden sein.

Zur Verlinkung: